Quelle: Bayern-Ungarn. 1000 Jahre, Landesausstellung 2001
Signatur: BU10-LA-2001-09
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Entwurf: Wolfgang Petz; Kartographie Ch. Peh & G. Schefcik, Eppelheim. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.
Beschreibung: Das Kupfer aus Neusohl und Libethen verknüpfte in der frühen Neuzeit das
ungarische Königreich mit ganz Europa: Als der von einheimischen Gewerken und
Kaufleuten betriebene Bergbau samt seinen Hüttenwerken 1494 von der
Fugger-Thurzo-Gesellschaft in einem Großbetrieb zusammengeschlossen wurde,
gelangten die unterschiedlichen ungarischen Kupfersorten über die Filialen der
Fugger auf den gesamten europäischen Markt, wobei den Krakauer Thurzo bis 1525
der Absatz im Königreich Ungarn und Polen vorbehalten blieb. Nach der Trennung
von den Thurzo und dem Übergang der ungarischen Krone an das Haus Habsburg 1526
formierte Anton Fugger die ?Ungarische Handlung? als Teil seines Unternehmens.
Sie bestand bis 1546. Danach wurde der Neusohler Berg- und Hüttenbetrieb in
königlicher Regie organisiert, welcher nun von anderen Augsburger Firmen verlegt
wurde. Diese hatten dem Haus Habsburg Darlehen gewährt, die durch den ihnen
überlassenen Verkauf der ungarischen Kupfersorten getilgt werden sollten.
Die Wünsche der Kunden hinsichtlich Sorte und Menge bestimmten den Weg, den das
ungarische Kupfer von Neusohl aus nahm. Hatte Venedig bis 1503 noch gut 32
Prozent und Antwerpen nur 24 Prozent der Neusohler Produktion erhalten, so
kehrte sich spätestens ab 1507 dieses Verhältnis um. Danach konzentrierten sich
50 Prozent und mehr der ungarischen Kupfersorten auf Antwerpen, während Venedig
bis 1533 nur noch einen Anteil von unter 5 Prozent abnahm., der sich später
wieder auf 12 bis 15 Prozent erhöhte. Wichtigster Käufer in Antwerpen war der
hier seit 1499 residierende Faktor des portugiesischen Königs, welcher 1515 und
1519 sogar eigens nach Nürnberg und Augsburg reiste, um mit den dortigen
Metallhandelsfirmen über Kupferkontrakte zu verhandeln. Mit seiner Hilfe gingen
ab 1501 von Antwerpen rund 4000 Zentner und ab dem zweiten Jahrzehnt des 16.
Jahrhunderts rund 6000 Zentner über Lissabon nach Indien, wo beim Pfefferkauf
mindestens ein Drittel, oft aber auch die Hälfte des Preises mit Kupfer
beglichen werden musste. Zudem deckten sich in Antwerpen italienische Firmen für
ihr Indiengeschäft mit Kupfer ein.
Quelle: Westermann, E., in: Jahn, W. / Lankes, Chr. / Petz, W. / Brockhoff, E.
(Hrsg.), Bayern ? Ungarn. Tausend Jahre, Augsburg 2001, S. 173-176.
Literatur:
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