Quelle: Bayern-Ungarn. 1000 Jahre, Landesausstellung 2001
Signatur: BU10-LA-2001-05
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Entwurf: Wolfgang Petz; Kartographie Ch. Peh & G. Schefcik, Eppelheim. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.
Beschreibung: Die heutige Hauptstadt Ungarns, 1873 aus der Vereinigung der bis dahin
selbständigen Städte Ofen (Buda), Altofen und Pest hervorgegangen, ist
historisch gesehen das Produkt einer urbanen Agglomeration, einer
Siedlungsverdichtung mit mehreren Kernen im natürlichen Schwerpunkt des
Donau-Theiß-Landes.
Die Anfänge der Siedlung Pest gehen auf die Zeit kurz nach der ungarischen
Landnahme zurück, wobei zwei königlich Eigenkirchen als geistliche Mittelpunkte
dienten: auf dem linken Ufer eine Marienkirche, auf dem rechten die dem hl.
Gerhard geweihte Kirche. Das Gemeinwesen, das auf dem östlichen Ufer rasch
urbane Züge annahm, erhielt unter König Andreas II. (1205 - 1235) ein
Stadtrecht, wurde aber 1241 von den Mongolen völlig zerstört. Der Wiederaufbau
führte zu einer zweiten Blüte der Stadt im 15. Jahrhundert. Wirtschaftlich
profilierte sich Pest vor allem als Umschlagplatz für den transkontinentalen
Handel mit ungarischen Schlachtochsen, einem der wichtigsten Ausfuhrprodukte des
Landes.
Der Burgberg auf dem rechten Donauufer war schon in vorgeschichtlicher Zeit von
großer Anziehungskraft. Nach 1241 übersiedelten hierher deutsche Bürger aus
Pest. Sie brachten die rechtliche Privilegierung ihrer Siedlung mit sich, die
nun auf dem neuen Ort auf dem Burgberg übertragen wurde, und die ältere
Bezeichnung ?Ofen?, die deutsche Übersetzung des slawisch-ungarischen Wortes
?Pest?.
Die Anlage des königlichen Palastes auf dem südlichen Teil des Berges, die
vielleicht ebenfalls in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts fällt,
begünstigte die Entwicklung Ofens. Die Bedürfnisse des Hofes und das Stapelrecht
verliehen der Stadt im Spätmittelalter eine wirtschaftliche Führungsrolle im
Königreich Ungarn. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurden die inzwischen stark
gewachsenen Vorstädte in eine zweite Befestigung einbezogen.
Ofen, Pest und seine Nachbarorte waren im Mittelalter von einer großen
kulturellen Vielfalt geprägt. Neben Kaufleuten und Handwerkern romanischer
Herkunft, vor allem Italienern, gab es auf dem Burgberg eine bedeutende jüdische
Gemeinde, die zwei Synagogen besaß. Slawen, Armenier, Ragusaner und andere
Gruppen trugen zum Facettenreichtum bei. Prägend für das Leben der Städte Ofen
und Pest waren jedoch die ungarischen und deutschen Bürger. Ein deutsches
Bürgertum ist für Pest auch in seiner zweiten Blütezeit nachweisbar; außer der
Oberschicht, die von Fernhandel und Grundbesitz lebte, gehörten dazu die
Fährleute und viele Metzger. Allerdings war die Mehrheit der Bevölkerung nach
dem Mongolensturm ungarisch.
In Ofen wiesen die Vorstädte Taschental und Sankt Peter einen starken deutschen
Anteil auf. Das Zentrum der Deutschen in Ofen lag jedoch auf dem Burgberg. Die
deutsche Oberschicht von Ofen unterhielt vielfältige Beziehungen
wirtschaftlicher und verwandtschaftlicher Art zum Patriziat jener Städte, mit
denen Ofen Handel trieb, insbesondere nach Wien, Nürnberg und Regensburg.
Literatur:
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