Quelle: Bayern-Ungarn. 1000 Jahre, Landesausstellung 2001
Signatur: BU10-LA-2001-04
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Kartographie Ch. Peh & G. Schefcik, Eppelheim. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.
Beschreibung: Nach dem Sieg bei Nikopolis 1396 über ein europäisches Kreuzfahrerheer
verzichteten die osmanischen Herrscher zu Gunsten einer Konsolidierung der
bereits eroberten Gebiete in Osteuropa vorerst auf eine Fortsetzung der
strategischen Offensive nach Westen. Johann Hunyadis Sieg von 1456, drei Jahre
nach dem Fall von Konstantinopel, verschaffte Konstantinopel noch einmal für
zwei Generationen Ruhe vor dem großen Sturm.
Die glanzvolle Epoche des ungarischen Königtums unter Matthias Corvinus stand
bereits wieder im Schatten der osmanischen Bedrohung, doch erst der
Regierungsantritt von Sultan Süleyman (1520) markierte den Anfang der
ungarischen Katastrophe. Nachdem Süleyman 1521 Belgrad erobert hatte, konnte er
dem alten Königreich Ungarn in der Schlacht von Mohács 1526 eine vernichtende
Niederlage zufügen. Jedoch gilt das Jahr 1541 mit der Besetzung Ofens und der
Einrichtung einer osmanischen Provinzverwaltung in der ehemaligen Königsstadt
als eigentlicher Beginn der ?Türkenzeit? in Ungarn.
Von 1541 bis 1686 residierte ein Pascha des Osmanischen Reichs in Ofen. Die Hohe
Pforte eroberte in den Feldzügen von 1543/45, 1552 und 1566 weitere Teile des
alten Ungarn. Das Fürstentum Siebenbürgen hatte sich der Oberhoheit des Sultans
gebeugt und genoss dafür weitgehende Autonomie. Nur der westlichste Teil bildete
ein ungarisches Königreich der Habsburger mit der Hauptstadt Pressburg. Für die
Donauländer Ungarn, Österreich und Bayern war die gemeinsame Bedrohung durch das
osmanische Großreich im späten 16. und im gesamten 17. Jahrhundert ständig
präsent. Im Jahr 1529 standen die Türken erstmals vor Wien.
Die Zeit der Türkenkriege war jedoch keineswegs nur eine Epoche militärischer
Auseinandersetzungen, denn im Mit- und Gegeneinander von Ungarn und Osmanen
bildeten sich bis heute wirksame Eigenarten ungarischer Identität heraus. Die
Ungarn verstanden sich in der frühen Neuzeit als Mittler zwischen Ost und West.
Kardinal Pázmány (1570-1637) verdammte beispielsweise alle, die zum völligen
Bruch mit der Hohen Pforte provozieren wollten. Er konstatierte vorausschauend
einen Bedeutungsverlust Ungarns, für den Fall eines siegreichen Türkenkrieges
der westlichen Mächte.
Die Türkengefahr erreichte im Jahr 1683 mit der Belagerung von Wien ihren
Höhepunkt. Passau wurde zum Zufluchtsort des kaiserlichen Hofstaates und die
Wallfahrtskirche Mariahilf zum geistlichen Ausgangspunkt der alliierten
Gegenoffensive zur Rückeroberung Ungarns. Bayerische Truppen unter Kurfürst Max
Emanuel hatten daran maßgeblichen Anteil.
Quelle: Lankes, Christian: Die Türkenzeit, in: Jahn, Wolfgang / Lankes, Chr. /
Petz, Wolfgang (Hrsg.), Bayern - Ungarn. Tausend Jahre, Augsburg 2001, S.
233-237.
Literatur:
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