Quelle: Bayern-Ungarn. 1000 Jahre, Landesausstellung 2001
Signatur: BU10-LA-2001-01
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Kartographie Ch. Peh & G. Schefcik, Eppelheim. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.
Beschreibung: In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wendeten sich Deutschland und
Ungarn zeitgleich dem politischen Radikalismus zu. Die Auffassung, durch die
Friedensverträge 1919/20 zu Unrecht benachteiligt worden zu sein, war von Beginn
der Zwischenkriegszeit an in allen gesellschaftlichen Schichten der beiden
Staaten tief verwurzelt. Diesen beiden Verlierernationen des Ersten Weltkrieges
stellte sich die kleinstaatliche Neuordnung Europas als ein Siegerdiktat dar,
das auf beiden Seiten als Ursache für schwerwiegende ökonomische
Anpassungsschwierigkeiten galt und außerdem das Unrechtsbewusstsein darüber
nährte, dass Millionen Landsleuten das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten
worden war. Ungarn hatte etwa zwei Drittel seines Gebiets und drei Fünftel
seiner Bevölkerung an die Nachbarstaaten verloren und die Deutschen waren mit
über sieben Millionen die größte Minderheitengemeinschaft in Europa. Die Frage
der außerhalb ihrer Mutterstaaten lebenden Deutschen und Magyaren wurde umso
leichter zum Element von Versuchen einer nachträglichen Korrektur der
Friedensschlüsse, je ungelöster das Minderheitenproblem in den jeweiligen
Heimatstaaten schien. Berlin und Budapest steuerten so auf eine gemeinsame
außenpolitische Plattform zu. Nachdem die Weltwirtschaftskrise die
innenpolitischen Konflikte verschärft und damit den Weg zur
nationalsozialistischen Machtergreifung beziehungsweise ? in Ungarn ? zur
weiteren autoritären Ausprägung des politischen Systems bereitet hatte, nahmen
die beiden Revisionismen im Einsatz gegen das bestehende Staatensystem immer
offener auch militärische Optionen in Kauf. Eines der verhängnisvollen
Ergebnisse dieser Fehlentwicklung war die Waffenbruderschaft Deutschlands und
Ungarns im Zweiten Weltkrieg.
Quelle: Lengyel, Zsolt K.: Stationen im 20. Jahrhundert, in: Jahn, Wolfgang /
Lankes, Chr. / Petz, Wolfgang (Hrsg.), Bayern - Ungarn. Tausend Jahre, Augsburg
2001, S. 353-356.
Literatur:
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