Quelle: Der Winterkönig, Landesausstellung 2003
Signatur: WINT-LA-2003-10
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Entwurf: Stephan Lippold; Ausführung: Würth & Winderoll. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.
Beschreibung: Kurzinformation:
Um nicht zum Katholizismus konvertieren zu müssen, wanderte nach dem
Herrschaftswechsel in der Oberen Pfalz 1621/ 1628 vor allem die
politisch-kulturelle und finanzielle Führungsschicht Ambergs ab.
Ausführliche Information
In § 24 setzte der Augsburger Religionsfriede von 1555 das Recht der Landesherrn
fest, die Religion ihrer Untertanen nach dem Prinzip des ?cuius regio eius
religio? zu bestimmen. Schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die
Mehrheit der Bevölkerung der Oberen Pfalz evangelisch-lutherisch geworden. In
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und zu Beginn des 17. Jahrhunderts
hatten die nach 1563 mit Ausnahme Ludwigs VI. kalvinistischen Pfälzer Kurfürsten
mit allerdings nicht durchschlagendem Erfolg versucht, das kalvinistische
Bekenntnis durchzusetzen. Auch wenn gerade unter der Statthalterschaft
Christians von Anhalt wichtige diesbezügliche Weichenstellungen vorgenommen
worden waren, war die Mehrheit der Bewohner der Oberen Pfalz lutherisch
geblieben. Mit dem Übernahme der Macht durch den katholischen bayerischen Herzog
bzw. Kurfürsten Maximilian I. erfolgte nach 1621 die katholische Missionierung
der Bevölkerung der Oberen Pfalz durch die Jesuiten und seit 1627 auch durch die
Franziskaner, die allerdings zunächst nicht die gewünschten Erfolge brachte und
deshalb schon seit etwa 1624 von staatlichen Repressalien gegen nicht
konversionsbereite Protestanten wie etwa Einquartierungen begleitet wurde. Das
Religionspatent vom 27. April 1628 stellte die evangelische Bevölkerung gemäß
dem Prinzip des ?cuius regio eius religio? vor die Alternative, zum
Katholizismus zu konvertieren oder auszuwandern. Dass die Mehrzahl der
Oberpfälzer Protestanten konvertierten, lag vor allem daran, dass eine
Auswanderung ihnen die Existenzgrundlage entziehen musste und die benachbarten
evangelischen Gebiete nur beschränkt aufnahmefähig waren. Eine nicht geringe
Zahl von Protestanten emigrierte allerdings auch, was für die Obere Pfalz einen
schmerzlichen Aderlass bedeutete. So lässt sich für Amberg feststellen, dass ca.
745 Personen bzw. etwa 10% der Bürger bzw. 15 % der Gesamtbevölkerung die Stadt
verließen. Dabei wanderte bevorzugt die ?Intelligenz? aus, d.h. Beamte,
Geistliche, Lehrer sowie Ärzte und Apotheker, die politisch, insbesondere
religionspolitisch in die Schusslinie geraten waren und die sich die
Auswanderung finanziell leisten konnten. Zwar war der wirtschaftliche Niedergang
der Oberen Pfalz nach 1628 vor allem den Kriegsfolgen und der Strukturkrise des
Bergbaus und des eisenverarbeiteten Gewerbes geschuldet, doch bedeutete der mit
der Emigration verbundene Entzug ungefähr eines Viertels des in Privathand
befindlichen Vermögens eine erhebliche zusätzliche wirtschaftliche Schwächung.
Entscheidend war jedoch, dass Amberg nun seine Residenzfunktion und die
politische und kulturelle Oberschicht verloren hatte. Bevorzugtes Ziel der
Emigranten waren mit Regensburg und Nürnberg protestantische Reichsstädte sowie
generell die protestantischen Nachbargebiete der Oberen Pfalz, doch finden sich
vereinzelt auch Emigranten, die Amberg in Richtung weit entfernter Städte wie
Leiden, London oder Edinburgh verließen.
Text: Stefan Lippold
Literatur:
![]()
![]()