Quelle: Der Winterkönig, Landesausstellung 2003
Signatur: WINT-LA-2003-04
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Entwurf: Stephan Lippold / Marcus Golling; Ausführung: Würth & Winderoll. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.
Beschreibung: Kurzinformation:
Zwar war die Universität Heidelberg als drittälteste Universität im Heiligen
Römischen Reich deutscher Nation nach Prag und Wien nur eine kleinere
Universität, doch zog sie als ?deutsches Genf? auf Grund ihrer protestantischen
Prägung Studenten und Gelehrte aus ganz Europa an.
Ausführliche Information:
Am 18.10.1386 wurde die Universität Heidelberg als dritte Universität im
Heiligen Römischen Reich nach Prag und Wien eröffnet. Mit der
Universitätsgründung etablierte sich Heidelberg nun auch endgültig als
Zentralort der Kurpfalz. Unter Ottheinrich wurde die Universität in der Mitte
des 16. Jahrhunderts grundsätzlich erneuert und von einer geistlichen
Institution zu einer evangelisch geprägten säkularen Hochschule umgewandelt, was
sich u.a. darin zeigte, dass nun auch Laien Universitätspfründe erwerben
durften. Auch die finanzielle Lage der Universität verbesserte sich durch die
Übertragung von Kirchengut erheblich, was viele Berufungen ermöglichte und neben
dem Ruf der Bibliothek Palatina als Universitätsbibliothek erheblich zum
Aufstieg der Universität Heidelberg beitrug. Zwar war sie mit durchschnittlich
150-170 - in den Jahren 1617-1619 allerdings sogar über 200 - Immatrikulationen
pro Jahr nur eine mittelgroße Universität, die von den Universitäten Wittenberg
(über 800 Immatrikulationen pro Jahr), Leipzig (über 700), Helmstedt, Frankfurt/
Oder, Ingolstadt, Jena (je über 400), Tübingen (ca. 370) und Rostock (ca. 270)
übertroffen wurde. Gleichwohl wurde die Universität Heidelberg auf Grund ihrer ?
mit Ausnahme der Zeit unter Kurfürst Ludwig VI. ? reformierten Ausrichtung als
?deutsches Genf? zu ?einer Art internationale[m] Mekka der antispanischen,
antirömischen Intelligenz? (N. Hammerstein) bzw. ?neben Leiden zum Zentrum
calvinistisch-reformierter Wissenschaft? (Wolgast 1986, 40) mit Studenten aus
ganz Europa.
Auskunft über die überregionale und internationale Bedeutung der Universität
geben die Matrikel. Diese verzeichnen u.a. für das hier näher aufgeschlüsselte
Jahr 1614 insgesamt 179 Immatrikulierte. Die Mehrzahl von ihnen kam zwar aus den
kurpfälzischen Gebieten, viele der Studenten stammten aber auch aus weiter
entfernten protestantischen Gebieten Deutschlands und aus dem europäischen
Ausland. Bei allein mehr als einem Dutzend Studenten ist im Verzeichnis ein
ungarischer Ortsname oder die schlichte Bezeichnung ?(H)ungarus? vermerkt. Große
Anziehung scheint Heidelberg auch auf junge Männer aus Friesland ausgeübt zu
haben, und auch aus der reformierten Schweiz (Genf, Zürich), aus den
Niederlanden (Amsterdam, Delft) und aus Nordeuropa (Dänemark, Norwegen) stammten
einige der Studenten. Mit Wilhelmus Pechetus hat sich sogar ein ?Anglus?
(Engländer) an der Universität Heidelberg immatrikuliert. Auch aus der Oberpfalz
kamen Studenten nach Heidelberg: Das Jahr 1614 verzeichnet immerhin vier
Amberger. Einer der Immatrikulierten stammte aus Neumarkt. Die Matrikel als
Quelle haben aber auch ihre Grenzen: Viele der Ortsnamen können heute nicht mehr
eindeutig übersetzt werden. So muss zum Beispiel offen bleiben, ob mit ?Bernas?
Verona oder Bern gemeint ist. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass die
Ausstrahlungskraft der Heidelberger Universität bemerkenswert war.
Text: Stephan Lippold / Marcus Golling
Literatur:
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