Quelle: Der Winterkönig, Landesausstellung 2003
Signatur: WINT-LA-2003-02
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Entwurf: Stephan Lippold; Ausführung: Würth & Winderoll. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.
Beschreibung: Kurztext:
Im Reformationszeitalter bildeten sich drei große Konfessionen heraus ? die
Katholiken, die Lutheraner und die Kalvinisten bzw. Reformierten. Der Konflikt
zwischen diesen Konfessionen spitzte sich vor allem seit den 1580er Jahren immer
mehr zu. Im Heiligen Römischen Reich entstanden mit der von der Kurpfalz
angeführten protestantischen Union (1608) und der unter dem bayerischen
Oberbefehl stehenden katholischen Liga (1609) zwei konfessionelle militärische
Machtbündnisse.
Ausführliche Information:
Als ?gesellschaftlicher Fundamentalprozess? erfasste die Konfessionalisierung
des 16. und 17. Jahrhunderts nahezu alle Bereiche des öffentlichen und privaten
Lebens und veränderte diese tief greifend. Nach der ?Initialzündung? der
Veröffentlichung der Thesen Luthers am 31. Oktober 1517 spaltete sich die
Kirche. Unter der Vielzahl der Gruppierungen kam den drei großen Konfessionen,
den Lutheranern, Katholiken und Kalvinisten bzw. Reformierten, eine
herausragende Rolle zu. Mit dem Prinzip des ?cuius regio, eius religio? (der
Landesherr bestimmt die Religion seiner Untertanen) versuchte man im Augsburger
Religionsfrieden von 1555 ? der allerdings nur die Katholiken und die
Lutheraner, nicht aber die Kalvinisten umfasste - zu einer friedlichen Lösung zu
kommen. Doch spitzte sich der Konflikt zwischen den Konfessionen vor allem seit
den 1580er- Jahren im Zuge der ?Zweiten Reformation? weiter zu. Viele sahen die
Zeit eines eschatologischen Endkampfes zwischen Licht und Dunkelheit gekommen.
Es bildete sich ein dualistisches System von protestantischen und katholischen
Mächten heraus. Im Heiligen Römischen Reich entstanden 1608 (protestantische
Union) bzw. 1609 (katholische Liga) zwei konfessionelle militärische
Machtblöcke, wobei diese allerdings nicht alle Stände der jeweiligen Seite
einigten. Die Konfrontation der konfessionspolitischen Lager und die damit
verbundene Lähmung der Rechtsinstitutionen des Reiches trug maßgeblich zum
Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges bei, der aber zu einem nicht unerheblichen
Teil auch durch machtpolitische und wirtschaftliche Interessen bedingt war. So
zeigen Beispiele wie die Konfrontation der katholischen Mächte Frankreich und
Spanien oder der Gegensatz der protestantischen Mächte Dänemark und Schweden,
dass der konfessionelle Gegensatz oft von machtpolitischen Interessen überlagert
war. Konfessionssolidarität und Staatsinteressen gingen nie ganz konform.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ergibt sich für Europa unter Vernachlässigung von
mehr oder weniger starken Minderheiten bzw. nicht dominierenden Gruppierungen
folgende konfessionelle Prägung der Staaten: Protestantisch waren Norwegen,
Schweden, Dänemark und die nördlichen Niederlande (?Generalstaaten?), katholisch
waren Spanien, Frankreich, die südlichen ?spanischen? Niederlande und die
österreichischen Erblande. England ist mit seiner Sonderform der anglikanischen
Staatskirche den protestantischen Mächten zuzuordnen.
Das Heilige Römische Reich war in einen protestantischen Norden und einen eher
katholischen Süden geteilt. Im Norden waren die katholischen Bistümer von
protestantischen Territorien eingekreist und wurden vielfach nach und nach in
die weltlichen protestantischen Gebiete integriert. In der Mitte Deutschlands
lagen mit den Erzbistümern Köln, Mainz und Trier die wichtigsten katholischen
Territorien.
Zusammen mit dem habsburgischen König von Böhmen hatten die Erzbischöfe im
Kurkollegium eine katholische Mehrheit von vier Sitzen gegenüber den drei
protestantischen Kurfürsten. Im Süden bildete Bayern die katholische Bastion.
Einen Sonderfall stellte Böhmen dar, wo zwar die überwiegende Mehrheit der
Bevölkerung protestantisch, das Herrscherhaus jedoch katholisch war. Dieser
Gegensatz war 1618 eine der zentralen Ursachen des böhmischen Ständeaufstandes,
mit dem der Dreißigjährige Krieg begann.
Text: Stephan Lippold
Literatur:
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