Quelle: Kaiser Heinrich II., Landesausstellung 2002
Signatur: HEII-LA-2002-14
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Beschreibung: Der Tod Herzog Ottos von Niederlothringen führte 1006 zu Auseinandersetzungen zwischen lothringischen Adelsgruppen. In diesen Streit griff auch Graf Balduin IV. von Flandern ein, ein Lehnsmann König Roberts II. von Westfranken (996-1031). Wohl im Lauf dieser Ereignisse und wegen der Bedrohung ihrer jeweiligen Einflusssphären durch Balduin von Flandern kam es 1006 zwischen dem westfränkischen König und Heinrich II. zu einem ersten Treffen in der Gegend von Mézières. Man begegnete sich in Booten auf dem Grenzfluss Maas. Dieses Herrschertreffen setzte die Gleichrangigkeit der Könige demonstrativ in Szene: Keiner der Herrscher verließ so sein Herrschaftsgebiet. Das Verhältnis beider Reiche zueinander wurde durch ein Freundschaftsbündnis neu definiert. Anschließend ging man gemeinsam an die Bekämpfung Balduins IV. von Flandern und seiner Verbündeten.
Auch beim zweiten Treffen der Herrscher des West- und Ostreichs 1023 ging die Initiative von Heinrich II. aus. Doch nun hatte sich die Gleichrangigkeit zwischen den Herrschern zugunsten des Kaisers verschoben. Der französische König lagerte im lothringischen Mouzon, während Kaiser Heinrich II. mit seinen Gefolgsleuten östlich davon in Ivois an der Chiers lagerte. Um der veränderten Rangordnung öffentlich Rechnung zu tragen begab sich Heinrich II. - erfüllt von der Souveränität des Höherstehenden - zunächst in das Lager Roberts II. von Westfranken, bevor dieser am nächsten Tag in das Lager des Kaisers zog. Anschließend wurde das alte Freundschaftsbündnis erneuert, danach vereinbarten beide für 1024 die Abhaltung eines allgemeinen Konzils in Pavia unter dem Vorsitz des Papstes, doch der Tod Heinrichs II. vereitelte diesen Plan. Er hatte sich als Kaiser von einem wachsenden Verantwortungsbewusstsein für die gesamte Christenheit erfüllt gesehen, wobei nicht nur der französische König, sondern auch der Papst in ein umfassendes Reformprogramm eingebunden werden sollten.
Das Königreich Burgund stellte hingegen ganz andere Anforderungen an Heinrich II. Über seine Mutter Gisela war Heinrich II. ein Neffe des kinderlosen burgundischen Königs Rudolf III. (993-1032). Dessen Herrschaft galt als schwach und stets gefährdet, sodass Heinrich II. schon frühzeitig Vereinbarungen anstrebte, die ihm den Zugriff auf das burgundische Erbe ermöglichen sollten. So traf er sich 1006 wohl in Basel zum ersten Mal mit seinem Onkel. Hier trat ihm Rudolf III. die Bischofsstadt Basel ab und übergab ihm damit einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte am Oberlauf des Rheins. Außerdem ging Rudolf III. eine Art Lehnsverhältnis zu Heinrich II. ein, womit dieser eine Schutzverpflichtung für das burgundische Königtum übernahm.
Bei einem weiteren Treffen 1016 in Straßburg wurde dieses Lehns- und Schutzverhältnis bestätigt. Als sich beide Herrscher 1018 in Mainz zum letzten Mal trafen, erfüllten sich Heinrichs II. Pläne. In einem feierlichen Akt vor burgundischen Großen übergab Rudolf III. seine Krone und sein Zepter an Heinrich II. Er legte damit symbolhaft das burgundische Reich in Heinrichs Hände. Von diesem Moment an herrschte Rudolf III. sozusagen nur noch im Auftrag des Kaisers über Burgund. Allerdings konnte Heinrich II. dieses Erbe nicht mehr antreten, da er noch vor seinem Onkel 1024 starb. Sein Nachfolger jedoch, der Salier Konrad II., brachte auf der Grundlage der unter Heinrich II. getroffenen Rechtsvereinbarungen die burgundische Königsherrschaft an sich und begründete damit die Trias der Reiche Deutschland, Burgund und Italien unter einer Kaiserkrone.
Quelle: Berger, Sabine, in: Kirmeier, Josef / Schneidmüller, Bernd / Weinfurter, Stefan / Brockhoff, Evamaria (Hrsg.), Kaiser Heinrich II. 1002-1024, Augsburg 2002, S. 228-229.
Literatur:
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