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Feldzüge Heinrichs II. gegen den Polenherzog Boleslaw Chrobry

Quelle: Kaiser Heinrich II., Landesausstellung 2002

Signatur: HEII-LA-2002-13

Konzeption: Haus der Bayerischen Geschichte; Entwurf: Sabine Berger, Ebersberg; Grafik: Gruppe Gut, Bozen. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für den Einsatz im Schulunterricht und für Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch den/die Rechteinhaber.

Beschreibung:

Am 25. Juli 1002 kam der Polenherzog Boleslaw Chrobry (992-1025) nach Merseburg und huldigte zusammen mit den Sachsen dem neuen König Heinrich II. In den nachfolgenden zähen Verhandlungen konnte Boleslaw Chrobry jedoch nur erreichen, dass der König ihn mit der Lausitz und dem Milzener Land belehnte. Die von ihm kurz zuvor besetzte Mark Meißen musste Boleslaw Chrobry wieder herausgeben. Enttäuscht wollte er Merseburg verlassen, als er mit seiner Begleitmannschaft in einen Hinterhalt geriet, aus dem er sich nur mit Hilfe Markgraf Heinrichs von Schweinfurt und Herzog Bernhards I. von Sachsen befreien konnte. König Heinrich II. als sein Lehnsherr hatte den Polenherzog weder geschützt noch bestrafte er die Täter. Als Heinrich II. zudem ein Jahr später Boleslaw Chrobrys Anspruch auf Böhmen missachtete, begann ein Dauerkonflikt, der die Herrschaft Heinrichs II. bis 1018 begleiten sollte.
1003 schloss Heinrich II. ein Bündnis mit den heidnischen Redariern und Liutizen gegen den christlichen Polenherzog, um mit militärischen Mitteln die Anerkennung seiner Machtstellung, seiner gottunmittelbaren Autorität, von Boleslaw Chrobry zu erzwingen. Der Polenfürst seinerseits hatte offenbar eine ganz ähnliche Konzeption wie Heinrich II. entwickelt. Auch er sah sich als Lenker eines von Gott auserwählten Volkes. In den nächsten Jahren unterstützten Heinrich II. vor allem die sächsischen Bischöfe auf seinen Kriegszügen, während viele sächsische weltliche Große den Piastenfürsten Boleslaw Chrobry aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen zu seinem Haus als einen der Ihren betrachteten. 1004 sammelte Heinrich II. sein Heer in Merseburg zum ersten Polenzug. Er führte es über das Erzgebirge bis nach Nordböhmen und zog über Prag zur Burg Bautzen, die er erfolgreich belagerte. Nach der friedlichen Übergabe der Burg kehrte Heinrich II. nach Sachsen zurück - ein erster Erfolg war ihm gelungen. 
Doch schon ein paar Monate später unternahm Heinrich II. 1005 seinen zweiten Polenzug. Er gelangte bis vor Posen, wo ein erster Friedensschluss ausgehandelt wurde; doch keiner der beiden Herrscher wollte die Position des anderen in der Form anerkennen, auf die dieser Anspruch erhob. So überdauerte dieser Frieden von Posen nur fünf Jahre. 
1010 erging wiederum ein königlicher Aufruf sich in Belgern an der Elbe zu versammeln, nachdem Verhandlungen mit dem Polenherzog gescheitert waren. Bei der Burg Jarina erkrankte Heinrich II. jedoch und kehrte in Begleitung einiger Bischöfe ins Reich zurück. Die übrigen Kontingente verwüsteten das umliegende Gebiet, bevor sie ebenfalls den Heimzug antraten. 
Die nächsten Jahre nutzte Heinrich II., um die adlige Front gegen den Polenherzog zu verstärken, doch Kriegszüge in seinem Namen scheiterten schon in den Anfängen. 1013 war die Romfahrt zur Kaiserkrönung geplant - Heinrich II. brauchte Frieden im nördlichen Reichsteil. Er traf sich 1013 auf einem Hoftag in Merseburg persönlich mit Boleslaw Chrobry. Man einigte sich auf einen Kompromiss: Boleslaw Chrobry leistete dem König den Lehnseid und diente ihm danach als Schwertträger. Als Gegenleistung für diese öffentlichen Huldbezeugungen erhielt Boleslaw Chrobry die Lausitz und das Milzener Land zu Lehen. Doch schon ein paar Monate später verweigerte der Pole seine Mithilfe beim zweiten Italienzug. 
Nach seiner Rückkehr aus Italien rüstete Heinrich II. daher 1015 zum nächsten Polenfeldzug. Von Magdeburg aus rückte er vor bis Crossen. Unterdessen versuchten Herzog Bernhard von Sachsen von Norden her und der böhmische Fürst Udalrich zusammen mit bayerischen Kontingenten von Süden her vergeblich zum kaiserlichen Heer zu gelangen. Geschwächt gerieten die Truppen Heinrichs II. auf dem Rückzug in einen Hinterhalt. Über die Burg Strehla kehrte der Kaiser nach Merseburg zurück - seine Pläne waren gescheitert. 
Während sich Heinrich II. 1016 in Burgund aufhielt, organisierte Kaiserin Kunigunde in Sachsen die Landesverteidigung. Verhandlungen mit Boleslaw Chrobry über einen längeren Waffenstillstand scheiterten und ein erneuter Feldzug schien 1017 unvermeidlich. Über Magdeburg zog Heinrich II. in Begleitung Kunigundes mit seinem Heer nach Leitzkau, wo sich ihnen größere Truppenkontingente anschlossen. Heinrich II. erreichte die Burg Glogau, in der sich Boleslaw Chrobry verschanzt hielt. Doch der Kaiser wich einer militärischen Konfrontation aus und zog zur Burg Nemzi, die er vergeblich belagerte. Durch Krankheiten geschwächt musste sich das Heer unverrichteter Dinge über Böhmen nach Merseburg zurückziehen. Angesichts dieser Niederlage fand sich Heinrich II. endlich zu ernsthaften Friedensverhandlungen bereit. Im Frieden von Bautzen stimmte der Kaiser 1018 einem "Resignationsfrieden" zu, der für ihn so demütigend gewesen sein muss, dass er sich gar nicht persönlich daran beteiligte. An eine öffentliche Unterwerfung des Polenherzogs unter die kaiserliche Autorität war nicht mehr zu denken. Im Grunde war mit dem Frieden von Bautzen 1018 die Gleichrangigkeit Polens anerkannt worden. Heinrich II. verlor das Interesse, Polen etablierte sich als eigenständiges Reich.

Quelle: Berger, Sabine, in: Kirmeier, Josef / Schneidmüller, Bernd / Weinfurter, Stefan / Brockhoff, Evamaria (Hrsg.), Kaiser Heinrich II. 1002-1024, Augsburg 2002, S. 224-226.

Literatur:

  • Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, 2. Aufl., Weimar / Köln / Wien 1995
  • Lübke, Christian: Slaven und Deutsche um das Jahr 1000, in: Mediaevalia Historica Bohemica 3 (1993), S. 59-90
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