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Detailansicht
Karte der Schenkungen Heinrichs II. an das Bistum und das Domkapitel Bamberg

Quelle: Kaiser Heinrich II., Landesausstellung 2002

Signatur: HEII-LA-2002-11

Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte; Ausführung: Gruppe Gut Graphics; Entwurf: Sven Pflefka, Bernd Schneidmüller, Wilhelm Störmer, Stefan Weinfurter, Franz Westphal. Die Karten unterliegen dem Urheberschutz. Das Downloaden für Schul- und Bildungszwecke ist erlaubt (Anmeldung erforderlich!). Jede andere Nutzung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung durch die Rechtsinhaber.

Beschreibung:

Schon vor der Bistumsgründung schenkte König Heinrich am 6. Mai 1007 der Bamberger Kirche, die zu Ehren der Hl. Maria und des hl. Petrus erbaut und geweiht war, jene Besitzungen im Gau "Volkfeld", die er von seinem Vater, Herzog Heinrich dem Zänker, zusammen mit dessen Burg Bamberg geerbt hatte, desgleichen den nördlich von Bamberg gelegenen Herrschaftskomplex Hallstadt.
Zum 1. November 1007 berief Heinrich II. ein Generalkonzil nach Frankfurt/Main, das die offizielle Gründung des Bamberger Bistums aussprechen sollte. Die Synode stimmte dem königlichen Plan zu und bestätigte die Errichtung des neuen Bistums, das der König daraufhin mit Besitzungen ausstattete. An erster Stelle stand der Ort Bamberg aus seinem väterlichen Erbgut, ferner alle ihm zu Eigen gehörigen Güter im Volkfeldgau mit Weilern, Dörfern, Knechten und Mägden. Es dürfte sich dabei um das westliche und südwestliche Umland Bambergs gehandelt haben. Es folgen die Hofkomplexe Forchheim, Hohenschambach bei Parsberg/Oberpfalz, Nittenau am Bayerischen Wald, Bad Abbach an der Donau, Ergolding bei Landshut, Reichenhall, Attersee und Mattighofen/Oberösterreich, Rottenmann/Steiermark, Deggingen im Ries, Sontheim an der Günz und verschiedene Orte um den Schwarzwald und den Tübinger Raum. Die Güter der frühen Bistumsausstattung lagen keineswegs nur im Raum der neuen Diözese, sondern auch in anderen Teilen Frankens sowie in Schwaben, Bayern, Thüringen und Sachsen, in der Steiermark und in Kärnten.
Unter den Schenkungen des 1. November 1007 befanden sich königliche Abteien, die nicht in der neuen Bamberger Diözese, sondern im Bereich anderer Kirchensprengel lagen. Zu nennen sind die Frauenklöster Kitzingen am Main, über dessen Grundherrschaft wir durch das Urbar des 11. Jahrhunderts genau unterrichtet sind, Bergen bei Neuburg und die Abtei im ehemaligen Bischofssitz und königlichen Zentralort Neuburg an der Donau. Von keinem dieser Nonnenkonvente sind ernsthafte Existenzprobleme bekannt. Die meisten Klöster waren herzogliche Gründungen, Neuburg - zumindest unter Heinrich II. - und Kitzingen waren Reichsabteien.
An Bamberg übertragene Mönchsklöster lagen vor allem in der Oberrheinebene und am Eingang in den Schwarzwald: Gengenbach in der Ortenau, Schuttern, ferner die ursprünglich auf dem Hohentwiel im 10. Jahrhundert vom schwäbischen Herzog gegründete und von König Heinrich II. nach dem Fernverkehrsort Stein am (Hoch-)Rhein verlegte Abtei sowie Haselbach im Elsass. Diese Männerklöster hatten bis zu den Anfängen Heinrichs II. im Herrschaftsbereich seines Widersachers, Herzog Hermanns II. von Schwaben, gelegen.
Die reichen Stiftungen Heinrichs zur Dotation der Domkirche und des Bistums Bamberg stammten aus väterlichem, wohl auch mütterlichem Erbgut, bayerischem Herzogsgut und Königsgut, teilweise auch aus eingezogenen Gütern der Markgrafen von Schweinfurt.
Kaiser Heinrich II. erweiterte zeitlebens die Besitzpositionen des Bistums Bamberg, wenngleich nicht mehr so massiert wie am 1. November 1007, so doch zu bestimmten Anlässen, die im Einzelnen aber nicht mehr zu rekonstruieren sind. Von 1008 bis 1017 schenkte er jährlich, dann nochmals 1019 bis 1021. 1008 sicherte er der Domkirche durch zwei Schenkungen die südliche Bamberger Umgebung, 1009 griff er mit seinen Schenkungen wieder weit über den Bamberger Diözesanraum aus: nach Thüringen, in den Donauraum zwischen Regensburg und Passau, nach Hessen (Gerau), in den Ochsenfurter Gau, der fruchtbarsten Gegend des Würzburger Umlands, sowie in den bayerischen Nordgau, die Oberpfalz.
Im Mai 1008 konnte Heinrich II. durch Tausch erste kirchliche Bereiche zwischen Würzburg und Bamberg abgrenzen; noch im gleichen Monat schenkte er den Gutskomplex Büchenbach westlich von Erlangen. Im Jahr 1009 ist die Übertragung zweier Kollegiatstifte mitten in Bayern an Bamberg signifikant: die Alte Kapelle unmittelbar neben der bayerischen Königs- und Herzogspfalz in Regensburg und das Stift Osterhofen an der Stelle der ehemaligen Pfalz, fast gegenüber der alten Königsabtei Niederaltaich an der Donau. Diese beiden Übertragungen müssen gleichsam ein Stoß gegen die bayerische Herzogsmacht gewesen sein. Im gleichen Jahr setzte der König seinen Schwager Heinrich V. als Bayernherzog ab und übernahm selbst die Herzogsgeschäfte in Bayern, unterstützt von seiner Frau Kunigunde.
Die weiteren Schenkungen von 1009 bezogen sich auf Besitz in Thüringen, Groß-Gerau/Hessen, den bayerischen Nordgau und schließlich Sonderhofen, Gaukönigshofen und Baldersheim im Ochsenfurter Gau südlich von Würzburg. Dieser Güterkomplex südlich des Maindreiecks war 50 Jahre vorher in den Besitz von Heinrichs Großmutter, Herzogin Judith, gelangt. Die Schenkungen des Jahres 1010 betrafen Gebiete nördlich des Mains in Thüringen und im östlichen Rhönvorland. Nur Theres, offensichtlich ein wichtiger Komplex, der ursprünglich in der Hand der Schweinfurter Markgrafen und der älteren Babenberger war, lag am nördlichen Mainufer. Im folgenden Jahr schenkte Heinrich II. Gutskomplexe im Amberger und Hersbrucker Raum, vor allem aber im niederbayerischen Isar- und Vilsgebiet an das Bistum Bamberg. Vielleicht entstammten alle in diesem Jahr übertragenen Güter dem bayerischen Herzogsbesitz des 10. Jahrhunderts. Da der König im selben Jahr, an seinem eigenen Geburtstag, die Bamberger Domweihe feierte, könnten diese bayerischen Schenkungen im Hinblick auf dieses Fest erfolgt sein.
Im Jahr 1013 übertrug Heinrich II. Besitztümer durch eine Tauschaktion mit dem Bischof von Würzburg die Kirchen Hallstadt, Amlingstadt und Seußling im Bamberger Raum und einen weit gestreuten Besitzkomplex im niederbayerischen Vilstal, 1014 im Raum Kelheim/Donau sowie in Kärnten und im oberösterreichischen Mattigtal, 1015 wiederum im Raum Nabburg/Oberpfalz an Bamberg.
Das Jahr 1016 brachte der Bamberger Domkirche die südliche Diözesanabgrenzung an der Pegnitzlinie, zum Nachteil der Diözese Eichstätt, aber auch ein weiteres Kloster, die Abtei (Mönch-)Deggingen im Ries. Von ähnlich zentraler Bedeutung dürfte 1017 Heinrichs Tauschaktion mit Würzburg gewesen sein, die Bambergs Position im Raum Erlangen, Forchheim und Eggolsheim erheblich stärkte.
Ein paar Jahre später griff der Kaiser noch einmal mit Diepenried bei Roding auf die Oberpfälzer Positionen zurück, schenkte ferner im Rheingebiet, vor allem aber die mittelfränkischen Komplexe Langenzenn und Herzogenaurach. Dies sind am 13. November 1021 die letzten Schenkungen Heinrichs an die Domkirche selbst.
Mit Blick auf die eindrucksvolle Schenkungskarte wird man feststellen müssen, dass der Kaiser mit diesem ausgedehnten, offenbar wohl überlegten Schenkungskonzept nicht nur Bamberg zum "Überbistum" (St. Weinfurter) gemacht, sondern auch die politischen Gewichte Süddeutschlands erheblich verändert hatte.
Die Fürsorge Heinrichs II. galt nicht nur der Domkirche und dem Bistum Bamberg, sondern auch den Domkanonikern, jenen an der Domkirche tätigen Geistlichen, die offensichtlich gleichzeitig mit der Bistumsgründung zu einem Collegium canonicorum zusammengeschlossen worden waren. Sie verfügten über eigene Wirtschaftseinheiten, darüber hinaus über Anteile am Domgut, und zwar in der form der Mensa canonicorum, zumindest später über eigene Disziplinargewalt, das Recht auf eigene Statutengebung, ein unabhängiges Versammlungsrecht sowie das Recht auf Selbstergänzung. Mit Sicherheit hatten sie vielfältige Aufgaben für den Bischof wie für den König auszuführen.
Die Schenkungen Heinrichs II. an das Domkapitel bzw. an die Bamberger Domkanoniker sind im Vergleich zu seinen umfangreichen Besitzübertragungen an die Domkirche selbst eher bescheiden. Im Bamberger Diözesanbereich selbst war es nur der Ort Fürth im (bayerischen) Nordgau, der am 1. November 1007 an das Domkapitel gelangte. Heinrich II. bezeichnete Fürth als ihm zu Eigen gehörig. Dieser "locus" kam also offensichtlich aus dem Erbe seines Vaters. Der Ort stellte aber weit mehr als eine Siedlung dar, denn Heinrich II. schenkte ihn mit allen Zugehörungen, Weilern, Dörfern, Kirchen, Knechten und Mägden. Es muss sich demnach um einen beträchtlichen Krongutsbereich gehandelt haben, dessen Vorort am Regnitzübergang der Fernstraße Frankfurt/Main - Regensburg lag. Hier konnte sich rasch ein Markt entwickeln, der ein halbes Jahrhundert später Konkurrenz durch Nürnberg erfuhr.
Am gleichen Tag schenkte Heinrich den Ort bzw. Fronhof Pförring an der Donau sowie drei Hofstätten am Donauufer zu Regensburg an das Domkapitel. Es fällt auf, dass auch diese Schenkung einen wichtigen Verkehrspunkt betrifft, denn in Pförring führte seit alters eine Fernstraße aus dem Mittelrhein über die Donau. Nur bei dem gleichzeitig "zur Ausstattung der am Bischofsitz klösterlich Gott dienenden Kanoniker" geschenkten Besitzkomplex Holzheim bei Burglengenfeld in der Oberpfalz lässt sich bislang eine verkehrsstrategische Bedeutung nicht nachweisen Dies gilt auch für die 1014 geschenkten 30 königlichen Hufen im Gut "Godtinefeld" im fernenPpagus Österreich.
In den folgenden Jahren sollte dem Bamberger Domstift weiterer Besitz im Raum südlich der Donau zufließen. 1014 tauschte Papst Benedikt VIII. an Kaiser Heinrich drei bayerische Wirtschaftshöfe (Wolenbach [Lage strittig], Antiesenhofen und Winhöring), die im Umkreis des unteren Inns lagen und dem Römischen Stuhl gehörten, gegen einen großen Königshof in Italien. Diese drei bayerischen Höfe schenkte Heinrich vier Jahre später, am 8. Februar 1018, den Bamberger Domkanonikern als Pfründegut. Interessant ist, dass der Kaiser den Kanonikern für diesen Besitz eigens Schutz gegen eventuelle Eingriffe des Bischofs gewährte.
Bei seinem letzten Bamberg-Aufenthalt wenige Monate vor seinem Tod schenkte Heinrich dem Bamberger Domkapitel am 8. März 1024 ein Praedium - also einen Besitz, der nicht nur aus Gebäuden, sondern auch aus Wäldern, Jagden und unfreien Personen bestand - im Dorf Schlopp bei Stadtsteinach/Oberfranken. Dieser Besitz hatte sich in der Hand Hicilas (Eilica), der späteren Äbtissin des Niedermünsters in Regensburg, einer Tochter des Grafen Otto von Schweinfurt, befunden. Ob ihr das Praedium abgenommen oder abgekauft worden war, ist nicht bekannt.

Literatur:

  • Störmer, Wilhelm, in: Kirmeier, Josef / Schneidmüller, Bernd / Weinfurter, Stefan / Brockhoff, Evamaria (Hrsg.), Kaiser Heinrich II. 1002-1024, Augsburg 2002, S. 205-210.
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