Burgen
in Bayern

Burgschloss Wildshut

Eine Identifizierung der Burg mit einem 1115 erwähnten castrum Hutte bzw. einer traditionell 1170 erbauten Burg der Herren von Hutte ist aufgrund der Baubefunde durchaus möglich. Gesichert erscheint die Burg erst 1387 als Wylczhut. Obwohl sie 1399 noch einen Pfleger namens Heinrich der Acher behauste, wird die Burg bereits 1404 als purkchstal Wilczhut, d.h. ein ruinöser Bau, bezeichnet. W. bildete zumindest ab 1409 ein eigenes Landgericht der bayerischen Herzöge. 1681 war der Bau nicht mehr bewohnbar, woraufhin bis 1689 umfassende Instandsetzungsarbeiten anliefen. 1768 gefährdeten Erdrutsche die Standfestigung des Schlosses und erforderten aufwändige Stabilisierungsmaßnahmen. 1779 kam das Innviertel an Österreich, das hier ein Kreisgericht, dann ein Bezirksgericht mit Gendarmerie unterbrachte (bis 1995). 1999 veräußerte die Republik Österreich das Gebäude an privat. Daraufhin wurde die Burg ab 2004 renoviert.

Text: Joachim Zeune

Koordinaten: 12.000000, 48.000000

Baugeschichte

Im Auftrag des Eigentümers wurde 2005 der Baubestand burgenkundlich analysiert, was wichtige Neuerkenntnissen erbrachte. Die komplett verputzte Burg steht zweifelsohne älteren Fundamenten auf, die durchaus in das 12. Jhdt. zurück reichen können. Insbesondere die 2,0 m starke Ostwand scheint aufgehende Bausubstanz der Gründungszeit zu enthalten. Der Wiederaufbau von 1404ff. griff leidlich die alte Gestalt auf. Um 1460-1500 befestigte man das Tor durch eine kleinen Vorbau (Barbakane) und erhöhte die Wehrhaftigkeit durch neue Wehrgänge mit Spatenscharten, während man im Südeck des Burghofs ein neues Gebäude („Kasten“) errichtete. Um 1600 kam die kleine Burgkapelle hinzu. Zwischen 1681 (Nordwesttrakt mit Stallungen) und den 1770er Jahren (Treppenturm im Süden; Innere Torhalle) verdichtete sich die Hofbebauung, außerdem wurden durch Entkernungen des Burginneren bzw. Palas 1683 ein Pulvermagazin und 1760 eine Registratur eingebaut. Wegen statischer Probleme (s. o.) reduzierte man 1768 den Südbau in seiner Höhe. Zu Beginn des 19. Jhdts. erfolgte ein neuerlicher Umbau des Palas, baudatiert 1806 an einem Türsturz. 1967/68 und 2004ff. erfuhr die Burg weitere Überformungen, wobei man 2004ff. auch unschöne Baueingriffe korrigierte und u. a. 2006 den ehem. Balkenschirm des Torbaus rekonstruierte.

Text: Joachim Zeune

Baubestand

Michael Wening beschrieb W. 1721 als Eyn Churfürstl. Schloß und Pfleggericht Ertz-Bistums Salzburg. Ist mit einer Ringmaur und sehr tiefen Gräben umgeben....In dem Schloß-Hof befindet sich ein fünffzig Klafter tieffer: mit Dufft Quaterstain biß auf den Boden rund außgemaurter Ziech-Brunnen. So ist auch ein kleine Capellen zu Ehren S. Sebastiani & Rochi, gewehyet vorhanden...
Die einst direkt über der Salzach gelegene kleine Spornburg mit hoher Ringmauer über polygonalen Grundriss besaß wohl nie einen Bergfried, dafür ragte der Südbau (um 1500) einst turmartig auf. Jenseits des Halsgrabens steht ein kleiner Torturm (Barbakane) mit einst zugbrückenbewehrten Toren für Karren und Fußgänger sowie einem (2006 rekonstruierten) hölzernen Wehrschirm am Obergeschoss. Eine eigentlich um 1387 zu erwartende Schildmauer fehlt – was für eine Entstehung der Burg noch im 12. Jhdt. spricht. Im Erdgeschoss des stark überformten Palas hat sich die 1760 eingebaute flachtonnige Registratur mit Marmorsäulen und Gurtbögen erhalten, im 1. Stock fanden sich 2004ff. an einigen Fensternischen Wandmalereien des späten 14. Jhdts. Der 1721 erwähnte, angeblich fast 90 m (!) tiefe Burgbrunnen aus Tuffsteinen ist noch nicht sicher lokalisiert.

Text: Joachim Zeune

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