Die Burg Wagegg wird 1176 mit Ministerialen Walter von Wagegg erstmal indirekt erwähnt. Heinrich, 1245 beurkundet als Hainricus marscalcus de Wogetih, hatte das bedeutende Hofamt des Marschalls am Fürststift Kempten inne. Als die Herren von Wagegg 1374 ausstarben, veräußerte das Fürststift Burg und Herrschaft an die Schellenberger. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kam diese schließlich 1466 an Erzherzog Sigismund von Österreich, der sie drei Jahre später dem Kaspar von Laubenberg zu Laubenbergerstein verpfändete. Hohes Ansehen besaß Hans Kaspar von Laubenberg (vom Laubenbergerstein) zu Wagegg, der ab 1500 Rat Kaiser Maximilians I. war. 1525 wurde die Burg im Bauernkrieg eingenommen, aber nicht zerstört. 1580 erwarb das Fürststift Kempten Wagegg zurück. Es setzte die Burg zehn Jahre nach einer Plünderung im Jahr 1632 notdürftig als Jagdschloss instand. Seine Blütezeit erlebte Wagegg unter den Fürstäbten Rupert von Bodman (1678?1728) und Rupert von Neuenstein (1785?1793), die die Burg zu einem prachtvollen Lustschloss namens „Fürstenlust“ erneuerten. Die Säkularisation 1803 bedeutete auch für Schloss Wagegg den Untergang. Es wurde 1806/07 für 7188 Gulden auf Abbruch verkauft, sein letzter übrig gebliebener Seitenflügel wurde knapp 50 Jahre später, 1851, abgetragen.
Der 1908 beseitigte Bauhof lag nahe des 1761 errichteten Jagdschlösschens (1967 abgebrochen). 1976 führte das Forstamt Betzigau eine Notsicherung der noch erhaltenen Mauerreste durch.
Text: Joachim Zeune
Text: Joachim Zeune
Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 10.380400, 47.766400
Baugeschichte
Der Abbruch der einst mächtigen Burg Wagegg samt dem prachtvollen Barockschloss bis auf wenige Reste zählt zu den dramatischsten Verlusten historischer Bausubstanz im gesamten Allgäu. Die jetzigen Reste der Burg sind zu gering, um aus ihnen eine Bauanalyse ermitteln zu können. Dem Gründungsbau gehört sicherlich die Ringmauer der Hauptburg an, eventuell auch der Bergfried. Im Bestand ablesbar sind Um- und Ausbauten des 15. Jahrhunderts am Südgebäude der Hauptburg und am Bering mit dessen Tor und Flankierungsturm.
Text: Joachim Zeune
Text: Joachim Zeune
Baubestand
Gut erreichbar von der Schlossgaststätte Wagegg aus, erheben sich die Reste der früher weithin sichtbaren, heute dicht überwachsenen Hauptburg von einem ca. 12 Meter hohen, steilen Felssporn (814 m ü NN) aus Nagelfluh, der den Ausläufer eines nordöstlich anschließenden Höhenzugs bildet. Zu diesem hin zeigt die Hauptburg einen breiten Halsgraben. Sie okkupierte das unregelmäßige, ca. 40 x 45 Meter große Gipfelplateau, das von einer Ringmauer aus Bruchsteinen umfriedet war. An seinem Nordeck weist es noch massive Mauerreste und Felsabarbeitungen des quadratischen Bergfrieds, am Südende Bruchstücke eines Wohngebäudes auf.
Südlich schließt ein kleines, niedriger gelegenes Plateau an, das anfänglich die Vorburg, dann das Barockschloss trug. Von der Vorburg verblieben Fragmente der Ummauerung sowie der Torwand, die vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt. Erhalten hat sich die 1976 überformte Torwand samt Verschlussvorrichtungen des ehemaligen Tores. Die Ostwand der Umwehrung zeigt nahe dem Hauptburgfels Reste einer Schlupfpforte sowie am Südosteck den Stumpf eines kleinen runden Flankierungsturms mit einem Außendurchmesser von 5,5 Metern (15. Jahrhundert). Vom Lustschloss zeugen keinerlei bauliche Reste mehr.
Text: Joachim Zeune
Text: Joachim Zeune
Touristen Information
Die Burgruine kann jederzeit kostenlos besichtigt werden. Eine Wegbeschreibung finden Sie hier, Informationen für Mountainbiker gibt es hier. Die Schlossgaststätte Waldegg am Fuß der Ruine lädt zum Verweilen ein mit Grillhäusl, Biergarten, Kegelbahnen.