Burgen
in Bayern

Burg Murnau Murnau am Staffelsee

Die Burg Murnau erscheint erst etwa 90 Jahre nach ihrer Erbauung urkundlich, als König Ludwig IV. der Bayer 1324 Berthold von Seefeld mit ihr belehnte. 1329 wird die burch Murnaw gemeinsam mit dem Markt erneut erwähnt. Wann sie in Besitz des Klosters Ettal überging, ist ungewiss. Gesichert ist dagegen, dass sie 1444 dem Kloster auch als Gefängnis eines eigenen Hochgerichtsbezirks und später als Pflegamtssitz diente. Nach der Säkularisation wurde das Schloss 1804 an ortsansässige Bürger und den Magistrat versteigert, was erste Abbruchmaßnahmen nach sich zog. Der Südflügel erfuhr hingegen 1804/05 einen Umbau zur Schule. 1826 ersteigerte der Markt den ehemaligen Zehntstadel und nutzte ihn ab 1863 als Armenhaus. Im Westflügel war bis 1911 eine Mädchenschule untergebracht. Im Jahr 1980 zog die Schule komplett aus, woraufhin der Gebäudekomplex saniert und 1993 als Museum neu eröffnet wurde. Parallel erfolgte 1991/92 eine bauarchäologische Untersuchung, ergänzt 2009 durch eine zweite Grabungskampagne anlässlich Umbaumaßnahmen.

Text: Joachim Zeune

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Koordinaten: 11.202778, 47.677500

Baugeschichte

Bauforschung und Archäologie zeichneten eine interessante Bauentwicklung des Gebäudekomplexes. Die durch einen Halsgraben gesicherte Hauptburg beschränkte sich anfangs nur auf das westliche Ende des Schlossbergs, während östlich vor ihr eine Kapelle mit Friedhof und die Vorburg lagen. Erst zwischen 1560 und 1585 erweiterte man die Burg nach Osten auf ihre heutige Größe. Ältestes erhaltenes Bauteil ist ein fast quadratischer, ungewölbter Wohnturm von 12,7 x 14 Metern mit 2,5 Meter starken Mauern aus Tuffquadern, der dendrochronologisch auf 1232/33 datiert werden konnte. Er stand ursprünglich frei innerhalb einer Ringmauer und wurde erst um 1539, als man ihn auch einwölbte und überformte, in einen südlichen sowie nördlichen Anbau integriert. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der nördliche Anbau und damit im Wesentlichen die heutige Baugestalt des Schlosses geschaffen. Weitere Um- und Ausbauten erfolgten um 1600/1610, im 19. und 20. Jahrhundert sowie um 2009. Bauhistorisch bedeutend sind die vier hölzernen, wohl bauzeitlichen Schiebefenster, die man während der Sanierungsarbeiten im 4. Stock entdeckte. Mehrere detailgetreue historische Ansichten, einsetzend um 1560, lassen im 16. und 17. Jahrhundert einen mächtigen Baukomplex erkennen, der durch die Abbruchmaßnahmen des 19. Jahrhunderts merklich in seinem Bestand reduziert wurde. Eine Vorgängerburg ließ sich rudimentär erst 2009 archäologisch fassen.

Text: Joachim Zeune

Baubestand

Das sanierte und revitalisierte Schloss beherbergt heute das Schlossmuseum Murnau. Das Schloss besetzt einen leicht erhöhten Nagelfluhsporn, wurde aber im Lauf der letzten Jahrhunderte durch die intensive Ortsbebauung optisch absorbiert. Noch immer dominant ist der fast 17 Meter hohe, wieder komplett verputzte Wohnturm mit seinem Zinnengiebel, der an der Westseite des Schlosskomplexes auftragt. Die dreiflügelige Schlossanlage erstreckt sich durch stete Ausbauten weit nach Osten, wo einst Kapelle und Vorburg lagen.

Text: Joachim Zeune

Touristen Information

Das heute im Schloss untergebrachte Schlossmuseum Murnau beherbergt neben der Siedlungs- und Marktgeschichte auch eine bedeutende Gemäldesammlung der Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere der Neuen Künstlervereinigung München/Der Blaue Reiter sowie von Gabriele Münter präsentiert. Dem Aufenthalt Ödön von Horváts in Murnau ist ein eigener Ausstellungsteil gewidmet.

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