Kurz nach 1200 spaltete sich von dem Geschlecht derer von Stein eine Linie ab, die mit der Burg L. eine neue Stammburg errichtete und sich in die Dienstbarkeit des Hochstifts Würzburg begab. Degen II. von Lichtenstein wird 1215, die Burg selbst 1232 erwähnt. Nach 1345 belehnte Würzburg mehrere Familien mit der Burg, die zu einer Ganerbenburg ausgebaut wurde. Weitere Ausbauten erfolgten 1417-36. Die im Bauernkrieg 1525 und 2. Markgrafenkriege (1552) beschädigte Burg fiel 1565 an die Lichtensteiner zurück, die damals dem Ritterkanton an der Baunach angehörten. Mitte des 19. Jhdts. ging die Burg an die gräfliche, 1909 dann an die freiherrliche Linie der Rotenhan, die noch immer die Südburg bewohnt. Die ruinöse Nordburg kam 1972 an den Landkreis Haßberge, der sie 1994-98 sanierte und durch den Burgenkundlichen Lehrpfad Haßberge mustergültig erschloss.
Text: Joachim Zeune
Wikipedia: zum Eintrag
Koordinaten: 10.779400, 50.141700
Baugeschichte
Die kurz nach 1200 gegründete Burg umfasste mit ihrer Ringmauer vier Sandsteinklötze, die aus einem frontseitigen Bergfried, einem talwärtigen Palas und zwei Nebengebäuden bestand.
Der Zugang erfolgte durch die Westseite, nach Süden war eine große Vorburg vorgelagert.
Mitte des 14. Jhdts. baute man die Kernburg in drei Kleinburgen um, wobei der alte Palas Sitz der Lichtensteiner blieb. Die Vorburg wandelte sich zu einer Südburg mit drei Kemenaten (Wohntürmen), zwischen beiden Burgen wurde eine neue Burgkirche errichtet.
Anlässlich der Hussitenbedrohung erhielten Nord- als auch Südburg neue Torbauten, zudem bewehrte man die Nordburg dorfseitig durch einen Schalenturm für Hakenbüchsen. Nach 1565 setzte man die ruinöse Nordburg nur notdürftig instand, baute dafür aber die Südburg weiter aus.
Text: Joachim Zeune
Baubestand
Von der über mehreren Rhätsandsteinfelsen hoch über dem Weisachtal erbauten Nordburg
haben sich stattliche Reste erhalten, darunter der sehr schön gefertigte winzige Bergfried. Vom Palas, dem nach Süden eine Kapelle mit Apsiserker angebaut war, verbleiben nach mehreren Felsrutschen nur die südlichen Mauern. Die Mitte des 14. Jhdts. an der Südseite erbaute Kemenate zeigt noch die pyramidenförmig angeordnete Trichterfenstergruppe einer ehemaligen Bohlenstube, wird aber durch den Südtorbau der Hussitenzeit gestört. Ein weiterer Torbau erschloss die Nordseite, wo ein Nebengebäude des 16. Jhdts. steht.
Über der ehemaligen Burgkapelle steht eine 1710 erbaute protestantische Barockkirche.
Die Nordburg wird von einem Mitte des 14. Jhdts. errichteten Wohnturm ("Kemenate") dominiert, zeigt aber noch Ringmauern und Wehrgänge des 15. und 16. Jhdts. sowie jüngre Gebäudeflügel. Der Hauptbau enthält einen weiteren Wohnturm, ein dritter Wohnturm liegt im Südwesteck der weitläufigen Ummauerung.
Nach Süden schließt die jüngere Vorburg an.
Text: Joachim Zeune
Touristen Information
Der südliche Teil der Burg ist bewohnt und nicht zugänglich. Die Nordburg wurde saniert und kann von März bis Oktober von 10 bis 17 Uhr und von November bis Februar von 10 bis 16 Uhr kostenfrei besichtigt werden. Illustriert wird der Rundgang durch die Anlage mit Schautafeln zur Geschichte der Burg. Führungen werden für 20 € vom Heimatverein Pfarrweisach durchgeführt, Informationen hierzu erhalten sie unter Tel. 09535 602.
Ein Besuch der Burg Lichtenstein sollte unbedingt mit der Besichtigung des unterhalb der Ruine gelegenen Felsenlabyrinths kombiniert werden. Das Gelände mit zahlreichen Höhlen und Grotten wurde bereits im 19. Jahrhundert zu einem Landschaftspark umgestaltet.
Ein weiterer Tipp sind die pflanzenkundlichen Führungen des Heimatvereins sowie der nahe gelegene Sagenpfad. Informationen zu den Lehrpfadenen erhalten Sie unter Homepage.